Ratgeber
Wann sollten neue Fische ins Aquarium?

Der optimale Zeitpunkt für einen stressfreien Besatz

Ein neues Aquarium ist eingerichtet, die Technik läuft und die Vorfreude auf die ersten Bewohner ist groß. Dennoch sollte man sich mit dem Einsetzen der Fische etwas Zeit lassen. Ein Aquarium benötigt zunächst eine Einfahrphase, in der sich ein stabiles biologisches Gleichgewicht entwickelt. Wer diesen Schritt überspringt, riskiert gesundheitliche Probleme für die Tiere.

In diesem Ratgeber erfahren Sie, wann der richtige Zeitpunkt für neue Fische gekommen ist, wie Sie das Aquarium optimal vorbereiten und worauf Sie bei der Eingewöhnung achten sollten.

Warum Geduld beim Besatz so wichtig ist

Ein Aquarium ist ein kleines Ökosystem. Damit es dauerhaft funktioniert, müssen sich zahlreiche nützliche Bakterien ansiedeln. Diese Mikroorganismen besiedeln den Filter, den Bodengrund und Dekorationsmaterialien. Sie bauen Stoffwechselprodukte der Fische sowie Futterreste ab und sorgen dafür, dass giftige Stoffe nicht gefährliche Konzentrationen erreichen.

Direkt nach dem Einrichten fehlen diese Bakterien noch. Deshalb ist ein frisch eingerichtetes Aquarium für Fische zunächst ungeeignet.

Die Einfahrphase – die Grundlage für gesunde Fische

Während der Einfahrphase entwickeln sich nach und nach die wichtigen Bakterienkulturen. In dieser Zeit können sich verschiedene Wasserwerte verändern, insbesondere der Nitritwert.

Nitrit ist bereits in geringen Mengen für viele Fischarten schädlich. Erst wenn dieses Gleichgewicht aufgebaut ist und die Wasserwerte stabil bleiben, sollte über den ersten Fischbesatz nachgedacht werden.

Je nach Aquarium, Filtertechnik und Temperatur dauert die Einfahrphase meist zwischen drei und sechs Wochen. Lebende Bakterien aus dem Fachhandel unterstüzen den Prozess, jedoch bedeutet das nicht – wie oft beworben- das man die Phase auf einige Stunden reduzieren kann. 

Woran erkennt man, dass das Aquarium bereit ist?

Nicht die Anzahl der Tage entscheidet darüber, wann Fische eingesetzt werden können, sondern die Wasserqualität.

Folgende Werte sollten regelmäßig überprüft werden:

  • Nitrit (NO₂)
  • Ammonium beziehungsweise Ammoniak
  • pH-Wert
  • Gesamthärte (GH)
  • Karbonathärte (KH)
  • Temperatur

Sind die Werte über mehrere Tage stabil und ist kein Nitrit mehr nachweisbar, spricht vieles dafür, dass das Aquarium biologisch ausreichend eingefahren ist.

Die ersten Fische nicht alle auf einmal einsetzen

Ein häufiger Fehler besteht darin, das Aquarium sofort vollständig zu besetzen. Jeder Fisch produziert Stoffwechselprodukte, die das Filtersystem verarbeiten muss.

Beginnen Sie deshalb mit einer kleinen Gruppe robuster Fischarten. Geben Sie dem Aquarium anschließend ein bis zwei Wochen Zeit, bevor weitere Tiere hinzukommen. So kann sich das biologische Gleichgewicht an die steigende Belastung anpassen und die guten Bakterien können sich vermehren. 

Neue Fische richtig eingewöhnen

Auch der Transport und die Eingewöhnung spielen eine wichtige Rolle.

Gehen Sie dabei möglichst schonend vor:

Lassen Sie den geschlossenen Transportbeutel etwa 20 bis 30 Minuten im Aquarium schwimmen, damit sich die Temperatur angleicht.

Geben Sie anschließend in mehreren kleinen Schritten Aquarienwasser in den Beutel. Idealerweise in einem Eimer, so dass die ursprüngliche Wassermenge im Beutel mindestens 3-4x so viel ist. Gehen Sie am Anfang mit kleinen Mengen Wasser vor. Annahme: Transportbeutel ist mit 1 Liter gefüllt, dann nehmen Sie 50ml und nach 5 min. wieder 50ml. Erst später nach Gesamtvolumen 2 Liter auf 75ml bis 100ml steigern. Profis nehmen die Tröpfchenmethode.  

Nach rund 60 Minuten können die Fische vorsichtig umgesetzt werden.

Das Transportwasser sollte nach langen Transportwegen möglichst nicht ins Aquarium gelangen.

Eine gedimmte Beleuchtung reduziert den Stress zusätzlich.

Quarantäne schützt den gesamten Fischbestand

Wer bereits Fische im Aquarium hält, sollte neu gekaufte Tiere möglichst zunächst in einem separaten Quarantänebecken beobachten.

Viele Krankheiten oder Parasiten zeigen sich erst einige Tage nach dem Kauf. Durch eine Quarantäne lässt sich verhindern, dass sich Erreger auf den gesamten Bestand ausbreiten.

Wasserwerte nach dem Einsetzen kontrollieren

Nach jedem Neubesatz sollte das Aquarium einige Tage besonders aufmerksam beobachtet werden.

Kontrollieren Sie regelmäßig:

  • Nitrit
  • Temperatur
  • Verhalten der Fische
  • Atmung
  • Fressverhalten

Zeigen die Tiere Auffälligkeiten oder steigen die Wasserwerte an, kann ein Teilwasserwechsel helfen, die Situation zu stabilisieren.

Häufige Fehler beim Einsetzen neuer Fische

Viele Probleme entstehen durch vermeidbare Fehler.

Dazu gehören:

  • Fische bereits wenige Tage nach dem Einrichten einsetzen
  • zu viele Tiere gleichzeitig kaufen
  • Wasserwerte nicht messen
  • Fische ohne Eingewöhnung umsetzen
  • unterschiedliche Fischarten ohne Prüfung ihrer Ansprüche vergesellschaften
  • zu seltene Wasserwechsel durchführen

Wer diese Fehler vermeidet, schafft deutlich bessere Voraussetzungen für gesunde Aquarienbewohner.

Welche Fischarten eignen sich für den ersten Besatz?

Für ein eingefahrenes Gesellschaftsaquarium werden häufig robuste Arten empfohlen.

Dazu zählen unter anderem:

  • Guppys
  • Platys
  • Zebrabärblinge
  • Panzerwelse (je nach Beckengröße)
  • Honigguramis (bei passender Einrichtung)

Welche Arten geeignet sind, hängt jedoch immer von Beckengröße, Wasserwerten und geplanter Vergesellschaftung ab.

Tipps für einen erfolgreichen Start

Für einen gelungenen Einstieg lohnt es sich, einige Grundregeln einzuhalten:

  • Aquarium vollständig einfahren lassen.
  • Wasserwerte regelmäßig testen.
  • Nur gesunde Tiere aus seriösen Fachgeschäften kaufen.
  • Neue Fische langsam eingewöhnen.
  • Besatz schrittweise erweitern.
  • Auf hochwertige Ernährung und regelmäßige Pflege achten.